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Full text: Aus der Zeit des österreichischen Faustrechts 1440 - 1463

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Karl Schalk. 
A. Die kaisertreuen Patrizier. 
L Simon Pötel.') 
Obwohl Laz-Aberman3) in seiner Wiener Chronik Mit¬ 
glieder der Familie Pötel schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts 
unter den Wiener patrizischen Geschlechtern aufführt, ist seine 
Angabe durch urkundliche Nachprüfung nicht zu erhärten; auch 
ist weder der in einer Urkunde vom Jahre 14W vorkommende 
Peter Pötel,3) noch der in einer solchen des Jahres 1420 er¬ 
wähnte Philipp Pötel4) mit unserem Pötel in Zusammenhang zu 
bringen und es ist fraglich, ob Simon überhaupt aus Wien 
oder dem damaligen Österreich stammte. Zuerst wird Pötel im 
Jahre 1482, und zwar in einer venezianischen Quelle und in einer 
Urkunde des Wiener Stadtarchivs erwähnt. Am 19. Juli befand er 
sich nämlich in Venedig,5) im Fondaco dei Tedeschi zusammen mit 
Ulreich Kerner aus Wien,6) mit dem er zu der Handelsgesellschaft 
von «Subelbissar»7) aus Deutschland gehörte und sich an die Vice- 
domini des Fondaco, die oberste Behörde desselben wandte, mit 
dem Ersuchen, ihnen ein größeres Zimmer einzuräumen, als sie 
bisher besaßen. Am 20. Oktober war er in Wien,8) wo er als 
1) «Mödlinger Deutsches Wochenblatt», Jahrg. 1915, Nummer vom 
20. April und 16 Mai; Feuilleton. 
2) Ausgabe Frankfurt a M., 1692, Buch IV, S. n 
2) Qu G St W. II/2, 33, Nr. 2067. 
4) Lichnowsky, Uv CLXXV, Nr. 1946. 
s) Sonst würden wir vielleicht seinen Namen unter jenen «herren» finden, 
die im Frühjahre 1432 «pei der ornung der kaufleut und chramer gebesen sein». 
QuGStW. I/7 (noch nicht erschienen), Nr. 14617. Es ist den «Abhandlungen» 
auf Grund dieser und anderer einschlägigen Nachrichten (ebenda Nr. 14613 16, 
14618—23 und Nachtrag S. 426, Nr. 53) von einem hervorragenden Rechtslehrer 
eine Arbeit zugesagt, die ein bisher kaum berührtes Stück W iener Handels¬ 
geschichte aufhellen und vermutlich noch im ersten Bande erscheinen wird. (L.j 
6) Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi. Stuttgart 1887, 2 Bände. 
Qu G St W. 1/8, 84, Nr. 84. 
?) In Süddeutschland gab es mehrere Handelsgesellschaften, die einen aus¬ 
gedehnten Handel mit den europäischen Staaten trieben; bekannt ist die große 
Ravensburger Gesellschaft, an deren Spitze anfangs die Familie Hundpiß 
stand, vgl. Heyd, Die große Ravensburger Gesellschaft. Stuttgart 1890. Die 
Gesellschaft «Subelbissar» hatte vielleicht ihren Sitz in der freien Reichsstadt 
Kempten im heutigen Bayern. Schmidt, Handelsgesellschaften in den deutschen 
Staatsrechtsquellen des Mittelalters in: Untersuchungen zur Deutschen Staats- und 
Rechtsgesch. von Gierke, Bd. XX s) QuGStW. II/2, 109, Nr 2412
	        
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