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Full text: Das Kindergarten- und Kleinkinder-Schulwesen in Oesterreich und Deutschland

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oder jenen »Baustein« gerade dort anzubringen, wo er für das beab¬ 
sichtigte Gebilde am zweckmäßigsten Verwendung findet. Bei durchaus gleichen 
Bausteinen wird das Kind weit weniger zum Nachdenken angeregt; es kann 
eben jeden derselben an jeder Stelle gebrauchen, wodurch mit der Zeit sogar 
ein gewisser Mechanismus entstehen muß. Dass viertens bei Verwendung 
des Fölsing'schen Baukastens auch die Hände der kleinen »Baumeister« 
mehr Fertigkeit gewinnen, als bei ausschließlicher Hantierung mit den 
Bausteinen des ersten und zweiten Fröbcl'schen Baukastens, wird Jedem cin- 
lenchten, der die betreffenden Baukästen vergleichend zur Hand nimmt. Auch 
sei hier erwähnt, dass Fröbel's goldene Bauregeln bei Verwendung des 
Fölsing'schen Baukastens vollständig zur Durchführung gelangen können. 
Nur noch eine Bemerkung will ich hier folgen lassen: Wer wie 
manche Pädagogen der Gegenwart mit 3- bis 5jährigen Kindern schon 
recht viele »mathematische Erkenntnisse« aus dem »getheilten Würfel« 
entwickeln zu können glaubt, der wird sich voraussichtlich mit Fölsing's Bau - 
kästen nicht befreunden; wer aber die »Mathematik« hier noch hübsch beiseite 
setzt — wie sichs für dieses Alter gehört — und lieber ins frische, volle Leben 
greifen will, der wird diesen Baukasten bald ebenso lieb gewinnen wie die 
Kleinen. Hier handelt es sich meiner Meinung nach weniger um »Erkenntnisse« 
als um die ungetrübte Freude des Kindes am eigenen Thun und Schaffen, 
welche Freude erfahrungsgemäß um so größer wird, je mehr das »Spielzeug« 
eine mögliche vielseitige Darstellung der kindlichen Phantasiegcbildc ermöglicht. 
Die Nummern 2, 3 und 4 des Fölsing'schen Baukastens sind für 
Kinder reiferen Alters bestimmt, weshalb ich sie an dieser Stelle über¬ 
gehen zu können glaube. Auf der lithografischen Tafel VI meines Berichtes 
habe ich die Verwendung des besprochenen Baukastens durch einige Bau- 
und Legcformen zu veranschaulichen gesucht. 
HI. 
Das Aröliel'staus in Speier. 
Das Fröbelhans in Speier wurde im Jahre l874 in einem 49 in. 
langen und 24 in. breiten Pflanzgarten ausschließlich für Kindergarteu- 
zwecke erbaut; es liegt in einem der schönsten Stadttheile. Bei der Aus¬ 
arbeitung des Planes der ganzen Anlage war das Augeamerk des Fröbel- 
vereinsvorstandes und der Baukommission einzig und allein darauf gerichtet, 
zum Betriebe eines Kindergartens für Kinder vorschulpflichtigen Alters eine 
Stätte zu bereiten, die nach allen Seiten hin zum körperlichen und geistigen 
Wohle der Kleinen gereichen und allen in dieser Beziehung gestellten gerech¬ 
ten Anforderungen genügen soll. 
Das Hans, von der Straße um einige Meter znrückstehend, hat eine 
Frontbreite von 18 m. und eine Seitengiebelbreite von 10 m.; es umfasst 
2 Stockwerke mit je 6 Fenstern (2 in. hoch und 1,2 in. breit) in der 
Fronte und 4 Fenstern in der Giebelseite; der Eingang befindet sich an 
der Rückseite des Hauses in einem Glasvorbau. 
Der Garten ist mit Blumenbeeten, Gesträuch, Linden- und Kastanieu- 
bänmen bepflanzt. Bald wi d die junge Anlage einem duftenden Wäldchen gleich
	        
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