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Full text: Die Schule der Zukunft

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nachzuweisen, die Dogmen der herrschenden Pädagogik zu 
bekämpfen und ein höheres, sozialpädagogisches Erziehungs 
ziel aufzustellen. Wir legten erst den Grund, ehe wir bauten. 
Wer hat recht? Der Vorfahr Seidel oder der Nachfahr 
Kerschensteiner ? 
6. Warum die Arbeit den Schulen fremd war ? 
Die Arbeit war allen früheren Schulen fremd; alle 
Schulen waren ausgesprochene Lernschulen mit religiösen 
und literarischen Zwecken. 
So sprach Herr Kerschensteiner. Warum aber war die 
Arbeit allen früheren Schulen fremd? Das hat Herr Ker 
schensteiner nicht gesagt. Und doch sieht jedermann ein, 
dass es höchst wichtig ist, die Ursache kennen zu lernen, 
weshalb allen früheren Schulen die Arbeit fremd war. 
Kennen wir nämlich die Ursache dieser Erscheinung, so 
können wir sie vielleicht für die Zukunft beseitigen, und 
können die Schule von einem Mangel und Fehler befreien. 
Was ist also die Ursache, dass die Arbeit allen frühe 
ren Schulen fremd war? 
Die Ursache ist, dass die Arbeit verachtet, dass sie 
eines Freien und Herrschenden unwürdig, dass sie Sache 
der Sklaven, Leibeigenen, Hörigen und Untertanen war. In 
Platos Republik, das heisst im Zukunftsstaate des grossen 
griechischen Weisen, arbeiten die Philosophen nicht. Die 
Philosophen aber, das sind die Herrscher, das sind die 
Menschen höherer Art. Ebenso arbeiten die Krieger nicht, 
sondern nur die Bauern und Handwerker. Der Platonische 
Zukunftsstaat war nur der idealisierte Wirklichkeits - Staat 
der Spartaner und der Griechen überhaupt. Auch Aristoteles, 
der politische und pädagogische Gegner Platos, hält die 
Sklaverei für eine natürliche Einrichtung, hält die einen 
Menschen von Natur zum Arbeiten und Gehorchen, die 
anderen zum Befehlen und Regieren bestimmt. Wie in
	        
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