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Full text: Wiener Dombauvereins-Blatt Nr. 15 u. 16 (3. Serie) 1904 (23.1904,15-16 (3. Serie))

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und rechts den heil. Kosmas und Damianus. Die Mitte 
des dritten Fensters nimmt die Steinigung des heil. 
Stephanus ein mit dem Schriftband: „8. 8teplmnus 
krotorn. 4it. Lool. inatrop." unten ist das Wappen 
des Kardinal Fürsterzbischofs Dr. Anton Gruscha mit 
Inschrift angebracht. Das vierte Fenster enthält in der 
Mitte das Bild des heil. Quirinus mit dem Schriftband: 
„8. Ouirinus, Lp. N. Leol. rnot. katrorms," zu beiden 
Seiten die heil. Päpste und Märtyrer Urban >. und 
Sixtus und darunter die Wappenschilder der Dom- 
propstci und des Kapitels. Das fünfte Fenster zieren 
die Bilder der heil. Ursula mit den heil. Märtyrern 
Gervasius und Protasius, unten das Bild und Wappen 
des Domkustos. 
Nachdem der gotische Altar, welcher einst diese 
Kapelle zierte und im Jahre 1507 von dem Bischöfe 
von Chiemsee, Ludwig Ebner, zu Ehren des 
heil. Valentin konsekriert worden ist, im 
Jahre 1890 in die Herzogenkapelle übertragen worden 
war, trat an dessen Stelle ein neuer gotischer 
nach der Zeichnung des Dombaumeisters Julius 
Hermann, von dem akademischen Bildhauer Ludwig 
Linzinger in Linz ausgeführter Reliquienaltar, 
welcher anfangs März 1904 aufgestellt wurde; die 
Altarmensa aus rotem Salzburger Marmor ist aus 
der Dombauhütte hervorgegangen. 
Die südlichen freien Wandflächen zieren folgende 
Bilder: 1. das Ölgemälde des heil. Karl Borromäus 
in der Glorie, unten die Pestkranken mit der 
Signatur Johann Rottmeyr 1650, wahrscheinlich 
ein altes Altarbild, welches ziemlich verwahrlost war 
und mit einem goldenen Rahmen versehen wurde; 
2. die heil. Dreifaltigkeit. Dieses zerrissene, wahr 
scheinlich auch von Rottmeyr gemalte Bild mußte 
auf eine neue Leinwand übertragen werden. Die 
Restaurierung dieser beiden Bilder besorgte der Kustos 
der Gemäldegalerie von der k. k. Akademie der bildenden 
Künste in Wien, kais. Rat Eduard Gerisch; 3. die 
Kopie des Originalporträts des Herzogs Rudolf IV., 
Welches im Kapitelsaale aufbewahrt ist. Zu beiden 
Seiten dieses Bildes hängen in alten mit Gold und 
Silber belegten Glasrahmen, welche an zwei unbrauch 
bar gewordenen hölzernen Reliquienkästen angebracht 
waren, zwei aus Pergament künstlerisch ausgeführte 
Jnschriftstaseln mit den Texten der heil. Schrift: 
„Oustockit Dominus ornnia ossa eorurn, unuin ex 
bis non oonteretur" (?s. 33 21) und „Nernoria 8ano- 
torurn sit in bsnellietione et ossa eorurn pullnlent 
cle loeo suo" (Leili 16, 11). Oberhalb der Tür ist 
in einem schwarzen Rahmen eine Abschrift des Re 
skriptes des Papstes UrbanV., welcher die Exkom- 
wunikazion über jene verhängt, welche die von Herzog 
Rudolf IV. und anderen Wohltätern gesammelten Re 
liquien der Stephanskirche wegnehmen oder veräußern. 
Schreiten wir nun an eine kurze Beschreibung der 
vorzüglichsten Reliquien, welche der Domschatz besitzt. 
Aus dem rechten Seitenaltare des Presbyteriums 
der Domkirche befindet sich in einem neuen gläsernen 
und vergoldeten Kasten das kupferne, von der Kur- 
Ynstlichkcit im Jahre 1640 gespendete Reliquiar mit 
den Gebeinen der heil. Jungfrau Verena, deren 
Fest in der Erzdiözese am 1. September gefeiert wird. 
Dieselben wurden von Mangold von Brandeis, Komtur 
des deutschen Ordens, mit Bewilligung des Ordens 
konventes zu Buckheim, Konstanzer Diözese, wohin sie 
vom Kollegiatstifte zu Zürich gebracht worden waren, 
am 3. Dezember 1358 dem Herzog Rudolf verehrt 
und befinden sich seit dem Jahre 1748 auf diesem 
Altäre. In den zwei Seitenpyramiden sind die Reliquien 
des heil. Evangelisten Markus und des heil. 
Märtyrers Viktor neu gefaßt worden. Gegenüber 
auf dem Altäre des heil. Johannes von Nepomuk 
ruhen in einen: neuen, außen mit Elfenbein ver 
kleideten Kästchen die Reliquien (87 Stück) vom Leibe 
des heil. Fridolin, Königs von England und 
Schottland, mit seinem Schweißtuche (8uäariruu), 
welche am 1. Jänner 1357 Herzog Rudolf zum 
Geschenke erhielt von Margaretha von Grünenberg, 
Äbtissin des Klosters in Säckingen, entnommen aus 
einem Sarge, in welchem der heil. Leib verschlossen 
war. Die Elfenbeinschnitzereien, von V. Merinsky in 
Wien 1903 ausgeführt, stellen oben Gott Vater, und 
auf dem Deckel die Symbole der vier Evangelisten 
samt Namen, die Apostelfürsten Petrus und Paulus 
dar. Unten läuft die Inschrift „8lläariuill et ossa 
sauet! Lrickolilli, Dotroni Loelssioe Nstropolilullae 
Viellllellsis" nach den Zeichnungen des Architekten 
Simon (Bauhütte). Der heil. Fridolin, geboren in 
Irland, starb 540 in Säckingen (Baden), wo auch 
sein Leib in der Kirche des heil. Hilarius ruhte. 
Sein Fest wird in der Erzdiözese am 6. März gefeiert. 
Die beiden Seitenpyramiden bergen die Reliquien 
des heil. Trophimus, eines der 72 Jünger des 
Herrn, und der heil. Jungfrau und Märtyrin Sophia, 
welche Herzog Rudolf im Jahre 1357 von dem Kapitel 
zu Werden, wohin sie von den alten Habsburgern 
gebracht worden sind, zum Geschenke erhielt. Ferner 
die Reliquien des heil. Papstes und Märtyrers 
Urbanus, ein Geschenk (1358) der Benediktincrinnen 
von Ernstein im Elsaß, welche sie von der Tochter 
eines römischen Kaisers, die dort begraben lag, erhielten, 
und die Reliquien des heil. Märtyrers Theodorus 
vom Kloster St. Lambrecht in Kärnten, wohin sie 
von den Stiftern des Klosters, den kärntischen Herzogen 
Heinrich und Manquard, im Jahre 1080 geschenkt 
worden waren. Herzog Rudolf übergab dieselben im 
Jahre 1363 dem Stephansdome. 
Alle übrigen Reliquien sind in der Schatzkammer 
kapelle untergebracht, deren vorzüglichste wir hier er 
wähnen wollen. In der Mitte steht auf einem Podium 
der alte, große, gläserne, mit reichen Goldverzierungen 
versehene Sarg mit dem ganzen reich bekleideten 
Gerippe eines heil. Valentin, Märtyrers (wahrscheinlich 
ein Baptizatus), welcher lange Zeit auf dem Altäre 
der Klosterkirche der Himmelpförtnerin stand und nach 
Aufhebung des Klosters im Jahre 1783 von einer 
Kommission der Domkirche übergeben wurde. Den 
Reliquienaltar zieren folgende Reliquiarien: In der 
Predella sind fünf Häupter, die von den Frauen der 
Heimsuchung Mariens (Salesianerinnen) zierlich gefaßt 
wurden, und zwar des heil. Andreas, eines der 
72 Jünger des Herrn, des heil. Priesters und Märtyrers 
Carpop Horns, des Märtyrers Claudius, 
welches Bischof Klesel von Rom nach Wien brachte, 
des heil. Märtyrers Emanuel und eines un 
genannten Märtyrers. 
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